| MIFEE-Projekt wird Lebensgrundlagen der Indigenen vernichten |
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| Geschrieben von FdN | |
| Samstag, 11. September 2010 | |
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Das Land Papua, ein Land großer Reichtümer, ein kleines Paradies auf
Erden. So preist Franky Sahilatua, der malunkanische Musiker, das Land
Papua in seinem Lied “Aku Papua”, das dank des Sängers Edo Kondologit
sehr berühmt geworden ist. Diese Reichtümer sind es, die das kleine
Paradies in eine Attraktion für Investoren aus Indonesien und aus der
ganzen Welt verwandelt hat. Wälder, Felder, Wasser, Minerale – all das
gibt es dort und wartet darauf, von diesen Leuten geplündert zu werden.
Der Liedtext ist allzu wahr: “All das Land, all diese Felsen, die
Reichtümer, die voller Hoffnung sind.” Alles in diesem Land ist von
unbezahlbarem Wert. Nicht nur die Felder selbst, sondern auch die
Savanne, die sich über Meilen erstreckt, die Kayu putih, der Torf und
die großen, eleganten Bäume in Merauke die 1,6 Millionen Hektar bedecken
in der Hoffnung, dass sie Indonesien und die ganze Welt vor einem
drohend näher rückenden Lebensmittelnotstand retten werden. Aber welche
Hoffnung gibt es, dass all dies auch für die Kinder und Enkelkinder der
Besitzer dieses Landes erhalten bleibt? Wird all dies von den Leuten
konsumiert werden, die dorthin kommen, um die Felsen voller Hoffnung
mitzunehmen? Im Jahre 2000 bot der Bezirkschef Johanes Gluba Gebze Merauke als Getreidespeicher an, als er sein gigantisches Projekt “Merauke Integrated Rice Estate” (MIRE) gründete. Dies sollte ein fantastisches Programm sein, das vollständig vom Landwirtschaftsamt der Regierung unterstützt werden sollte. Als im Jahr 2008 eine Hungersnot die Welt traf und überall die Preise für Lebensmittel stiegen, wurden viele Agrarländer, darunter Indonesien, tätig und dachten über neue Quellen für Lebensmittel auf der ganzen Welt nach. Diese Krise wurde der Startpunkt für anwachsende Investitionen in die Lebensmittelproduktion. Die indonesische Regierung und ihr Landwirtschaftsamt begannen überall nach strategischen Standorten zu suchen, Land, das von niemandem genutzt wird, Land, das geeignet war, diese Investoren anzulocken. In einer Präsentation in der Redaktion des “Kompas” im Juni diesen Jahres sagte das IPB (Institut Pertanian Bogor- /Bogor Agricultural Institute), welches Forschung zum Projekt MIFEE betrieb, dass Indonesien zwischen 2010 und 2025 einer Krise gegenüberstehen werde. Der Mangel an Land in Java wegen des schnellen Bevölkerungswachstums und des Entstehens von neun Ballungsräumen auf dieser Insel hat zu einem Niedergang in der Nahrungsmittelproduktion geführt, während geschätzt wird, dass die Bevölkerung in Indonesien auf 300 Millionen steigen wird. Dies könnte in einer Hungersnot bis zum Jahre 2025 führen und betont daher die Erfordernis, eine Lösung in Form von großen Landstreifen zu finden. Merauke wurde als beste Lösung gesehen. Agus Sumule, ein Regierungsexperte von Papua, erklärte, dass es ein Akt großer Ungerechtigkeit wäre, weil es bedeute, dass man erwarte, Papua und besonders Merauke müssten die Konsequenzen für die Lebensmittelkrise in der ganzen Welt und in Indonesien tragen. Diese Bürde solle von Gebieten über Indonesien hinaus getragen werden. Es sei sonst sehr unfair für eine einzige Provinz und schlimmer, eine einzige ethnische Gruppe, die Bürde der Lebensmittelkrise allein tragen zu müssen. Mit Argumenten wie der Verbesserung der lokalen Wirtschaft und der Selbstversorgung mit Lebensmitteln wurde das Merauke-Projekt damals von Johanes Gluba Gebze enthusiastisch begrüßt. Die lokale und die zentrale Regierung brachten dann eigene Studien und Pläne für das Projekt hervor. Die Zentralregierung schlug zusammen mit Government Regulation 20/2008 on National Land Allocation ein Projekt namens “Merauke Integrated Food and Energy Estate” (MIFEE) vor, das Merauke als Hauptgebiet für den nationalen Agrarsektor ermittelte. Diese Pläne waren sehr einseitig und wurden nicht zwischen der Zentralregierung und der lokalen Regierung koordiniert. Der Bezirkschef und seine Gruppe sprachen das Projekt nicht mit der Bezirksregierung ab. Das Resultat war, dass der indonesische Präsident eine Entscheidung traf und somit den Einschluss des MIFEE-Projekts als Teil der Landbesetzung vorbereitete. Nach langen Überlegungen schlug die Bezirksregierung die Besetzung von 5552 Hektar für MIFEE vor, aber das Landwirtschaftsamt entschied die Besetzung von 1,6 Millionen Hektar. Ein Gebiet dieser Größe, einem Land wie Papua auferlegt, schließt nicht nur landwirtschaftliches und Durchwanderungsland für die Nahrungsmittelproduktion, sondern auch unberührte Wälder und geschützte Gebiete wie Torfe, Wassersammelbecken und Stammesgebiete wie das des Volkes der Malind mit ein. Was also geschieht mit den Menschen, die auf diesem Land leben? Während des ganzen Diskurses zwischen der Bezirksregierung und der Zentralregierung wurden die Ureinwohner dieses Gebietes praktisch nicht einmal erwähnt, obwohl die Malind-Anim (Das Volk der Malind) dort schon lange vor der europäischen “Entdeckung” Neu-Guineas, also schon seit Generationen gelebt haben und leben. So wurde ihr Volk bereits in Publikationen des Missionars E.B. Savage im Jahre 1891 oder von Anthropologen wie Van Baal beschrieben und dokumentiert. Dieses Projekt wurde entworfen, ohne die menschliche Entwicklung der Malind als einen der maßgeblichen Faktoren zu beachten. Tatsächlich war es so, dass sowohl die Zentral- als auch die Bezirksregierung den Eindruck entstehen ließen, dass dieses Land unbewohnt sei und niemandem gehöre. Die Menschen, die in Einheit mit der Natur in ihren einheimischen Behausungen leben, wurden einfach ignoriert. Sie wurden weder in der Planungsphase in die Verhandlungen miteinbezogen noch über das MIFEE-Projekt überhaupt informiert. Sie wurden darüber im Unklaren gelassen, dass ihre Kampungs und Dörfer zur strategischen Karte des Projekts gehören. Deshalb wird ihr traditionelles Land unter Wert geschätzt und sie sehen sich der Gefahr gegenüber, auf das Land anderer Clans umgesiedelt zu werden, wenn das Projekt verwirklicht wird. Der strategische Plan des MIFEE besagt, dass das Projekt das Pro-Kopf-Einkommen der Einheimischen steigern werde und dass die Bauern mit modernen Ausrüstungen und Technologien unterstützt werden sollen. Aber er sagt auch aus, dass in den Anfangsphasen gelernte Wanderarbeiter von außerhalb am Projekt arbeiten und den Transfer der Technologie handhaben sollen. Auf lange Sicht sollen dann Ausbildungszentren für die einheimische Bevölkerung eröffnet werden, um ihnen die Techniken von landwirtschaftlichem Anbau zu lehren. Das bringt die Frage auf, wie die örtlichen Bauern in das Projekt involviert werden sollen. Es ist sehr bedauerlich, dass diese Pläne in einer erneuten Entmachtung der Bevölkerung Papuas in Merauke enden werden. Dies kann nur die Marginalisierung der Malind in Merauke verstärken. Schon immer seit der Einführung von Wanderarbeitern im großen Stil und als Konsequenz des Mangels an adäquater Bildung, Gesundheit und wirtschaftlichen Einrichtungen in Merauke wurden die Malind ausgestoßen und sind zu nicht mehr als Zuschauern geworden. Und was noch bedauerlicher ist, sie werden auch ihr gewohntes Land als Resultat einer Beschlagnahmung im Namen der Entwicklung verlieren, sie werden ihre gewohnte Lebensweise und Regulierungen verlieren. Ihre Regulierungen bezüglich kampung-Grenzen, bezüglich Dorfgrenzen, ihre Handhabung der Jahreszeiten als auch ihre Gesetzgebung wird als ineffektiv verurteilt werden und deshalb vielleicht ganz verschwinden. Bezüglich der Weitergabe von Werten und Kultur wird auch unsere Sprache weniger und weniger gesprochen, weil es eine Sprache ist, die untrennbar ist von dem Land, dem Wasser, den Wäldern und den Tieren, all den Dingen die ein untrennbarer Teil dieser Einheit sind. Wenn eines davon verloren geht, wird auch die Sprache verloren sein. Geschichten, die von Generation an Generation von unseren Vorfahren weitergegeben wurden, werden immer unverständlicher, weil die heiligen Grenzen von Reisfeldern, Maisfeldern und Palmölplantagen ersetzt wurden. Die Identität der Malind geht langsam verloren, zusammen mit der Zerstörung der natürlichen Bestandteile, die das Symbol der Clans sind. Die gebze mit ihrem Kokosnuss-Symbol, die Mahuze mit ihrem Sago-Symbol, die Basiks mit ihrem Schwein-Symbol, die Samki mit ihrem Känguru-Symbol, die Kaize mit ihrem Falken; alles wird verloren gehen. Mit anderen Worten: Das MIFEE-Projekt wird zur Zerstörung der Malind führen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass in fünf oder zehn Jahren die nächste Generation der Malind nicht mehr singen wird: “Ich wuchs auf mit dem Wind, zusammen mit den Blättern, zusammen mit dem Sago, zusammen mit den Kokosnussbäumen. “Stattdessen werden sie singen: “Ich wuchs auf ohne den Wind, ohne die Blätter, ohne mein Sago-Dorf. Ich weiß nichts über mein Dema, das Symbol meiner Tradition, meine Sprache, meine Heimat. Ich werde nicht mehr über meine Wurzeln sprechen können. Alles was ich tun kann ist, zu sagen, dass Papua das Land meiner Vorfahren ist, das Land, in dem ich geboren wurde.” Niemand sollte überrascht sein, wenn die Leute anfangen, dass MIFEE-Projekt als Akt eines Genozids, vollzogen durch die indonesische Regierung zu beschreiben, denn es wurde gut geplant und gut organisiert. Alle legalen Bestandteile sind vorhanden: Regierungsvorgaben, Anweisungen des Präsidenten, strategische Planungen und die Landkarten, die eine notwendige Voraussetzung für Völkermord sind. Wenn all diese Schreie gehört werden, wird die indonesische Regierung bereit sein müssen, die Konsequenzen zu tragen. Es wird die Verantwortung vor den Vorfahren der Malind, den Menschen aus Papua und der internationalen Gemeinschaft tragen müssen. Der Schreiber ist ein Angehöriger des Volkes der Malind aus dem Merauke-Gebiet in Papua. |
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