| Schutz oder Abholzung der Wälder? |
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| Geschrieben von Administrator | |
| Freitag, 10. August 2007 | |
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Die indonesische Regierung hat seit langem neun Millionen Hektar für
Entwicklungsprojekte vorgesehen. In den letzten Jahren haben
chinesische und indonesische Firmen Pläne vorgelegt, in denen sie für
mehrere Milliarden Dollar Palmölplantagen aufbauen wollen, um das
Verlangen nach Biodiesel zu befriedigen. Papua befindet sich am Beginn
seines ersten Investitionsrausches. Barnabas Suebu, der Gouverneur der
weit entfernten Provinz Papua, flog vor einem Jahrzehnt über Indonesien
und war über den Anblick unter sich entsetzt. Eine große Insel im
Archipel, einst Standort eines unentdeckten Regenwaldes, war für die
Entwicklung von Plantagen abgeholzt worden. „Ich war so traurig“, sagte
Suebu. „Diese Art der Beschädigung muss auf Papua verhindert werden“.
In einem Interview in Jayapura, der Hauptstadt Papuas gab Suebu zu
bedenken, dass seine verarmende Provinz den ökonomischen Schwung
benötigt, den Entwicklung mit sich bringt. Doch ohne Papua den Weg der
anderen indonesischen Inseln folgen zu lassen, versucht Suebu eine neue
Richtung einzuschlagen. Er möchte, dass der Insel Papua für den
Regenwald angemessenes Geld gezahlt wird und nicht, dass der Regenwald
abgeholzt wird. Regenwälder spielen eine Schlüsselrolle bei der weltweiten Aufrechterhaltung der Umwelt. Wenn das Projekt angenommen werden würde, könnte Papua die indonesischen und weltweiten Bemühungen gegen den Klimawandel unterstützen. Nach Schätzungen der Weltbank gehen weltweit jährlich neun Millionen Hektar Regenwald verloren; das entspricht der Größe Portugals. Große Mengen Kohlenstoffdioxid emittieren, wenn Regenwald durch Brandrodung zugunsten der Landwirtschaft vernichtet wird. Dabei entstehen 20 % der weltweiten Kohlenstoffdioxidemissionen; diese Zahl ist größer als die Summe aller Emissionen von Autos, Schiffen und Flugzeugen.
Die Einschränkung der Regenwaldzerstörung spielte bisher eine
untergeordnete Rolle in der Bekämpfung der globalen Erwärmung. Das
Kyoto-Protokoll sieht vor, dass Firmen das Recht der
Umweltverschmutzung erwerben dürfen, wenn sie emissionsreduzierende
Projekte in Entwicklungsländern unterstützen. Die meisten Projekte
fokussierten sich auf die Einsparung der industriellen Verschmutzung;
nur eines hat das Pflanzen von Bäumen miteinbezogen.
Gouverneur Suebu wurde auf diese Idee durch Dorjee Sun, einen 30
jährigen Australier aufmerksam, der durch die Entwicklung von Internet
Software zum Millionär wurde und nun seine Anstrengungen dem
Umweltschutz zugute kommen lässt.
Dem noch im Anfangsstadium befindlichen Plan für Papua offenbaren
sich viele Hürden- beginnend mit der juristischen Frage, wer das Land
kontrolliert. Das mächtige Forstministerium sagt, dass es über das
Schicksal der Wälder Papuas entscheiden kann; ein Anspruch den Suebu
energisch in Zweifel zieht. Sun und Suebu glauben, dass diese Veränderungen möglich sind. Im Dezember wird die UN-Klimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali stattfinden, wobei diskutiert werden wird, ob die bisher „vermiedenen Aufforstungsprojekte“ ins Kyoto-Protokoll aufgenommen werden. Der momentane Vertrag läuft 2012 aus. Bei der Versammlung wird die Weltbank ein Pilotprojekt detailliert vorstellen, bei dem innerhalb des kommenden Jahres 250 Millionen Dollar bereitgestellt werden, um Länder zu belohnen, die ihre Wälder schützen. Im Juni werden dann die G8-Staaten den Vorschlag der Weltbank gegenzeichnen. Falls Kyoto erneut überholt werden würde, wäre dies ein großer Anreiz für Firmen und Investoren sich Plänen wie Sun´s anzuschließen. Bislang ist Suns Projekt uninteressant für Firmen, die die emissionsreduzierenden Ziele des bisherigen Vertrags erfüllen müssen. Doch er hofft, dass er Investoren locken kann und dass der Papua-Fond wertvoller werden wird, wenn Kyoto überholt werden würde und Projekte anerkannt werden würden, die Wälder schützen. Doch er verlässt sich nicht auf Kyoto; er vermutet, dass der Papua-Fond Investoren ansprechen wird, die freiwillig mit Kohlenstoffkrediten handeln. US-amerikanische Firmen, deren Regierung Kyoto nicht unterzeichnet hat, beginnen mit Aufforstungsprojekten. Oftmals ist es so, dass diese Firmen aus PR-Gründen „Kohlenstoff-neutral“ werden oder sich an die strengeren zukünftigen Regularien anpassen wollen. Diese freiwilligen Waldschutz- und Wiederaufforstungsprojekte haben die Emission von 3,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahre 2006 verhindert, berichtete im Juli die Londoner New Carbon Finance. Im Vergleich haben alle Kyoto-Projekte 450 Millionen Tonnen Kohlenstoffkredite erzeugt. Viele Klimaexperten sagen, dass die finanzielle Belohnung für Regierungen, die ihre Wälder schützen, zu einem der Mechanismen im Kampf gegen den Klimawandel werden muss. Papuas Plan könnte eine attraktive Alternative für Länder wie Brasilien und die Demokratische Republik Kongo darstellen, die riesige Areale tropischen Regenwalds haben jedoch materielle Investitionen benötigen. Bäume und Pflanzen speichern Kohlenstoffdioxid, was hilfreich für die Umwelt ist. Sie nehmen es auf, wandeln es in Sauerstoff um, so dass Emissionen und anderen Verschmutzungen entgegengewirkt werden kann. Dabei speichern bestehende Wälder mehr CO2 als neue Plantagen. Der Schutz bestehender Wälder würde einen der Hauptgründe der Kohlenstoffdioxidemissionen eindämmen: Brandrodung, um die Wälder zugunsten von Plantagenflächen zu vernichten. Genau diese Feuer haben Indonesien zur dritt größten CO2-emittierenden Nation nach den USA und China werden lassen –obwohl sie wirtschaftlich auf Platz 22 liegt. Doch die Firmen, die auf Papua Plantagen errichten wollen, geben nicht auf. Das einzige Vier-Sterne-Hotel in Jayapura umgibt sich mit malaysischen und indonesischen Investoren. Die Firmen bieten große Investitionen für Straßen, Häfen und die Errichtung neuer Arbeitsplätze an, welche attraktive Vorschläge für eine Region sind, in der viele Menschen noch Wildtiere für die tägliche Ernährung jagen und der Weltbank zufolge 40 % der Bevölkerung von weniger als 14 Dollar im Monat leben. Die Firmen werden Suebu eventuell überreden große Areale der Entwicklung bereitzustellen, besonders wenn Suns Plan fehlschlagen wird. Doch selbst wenn der Plan bewilligt werden wird, wird Suebu eine Mischung aus Plantagen und Schutzflächen anstreben um den maximalen Profit aus dem Land herauszuholen. Suebu ist ein groß gewachsener, freundlicher Mann, der auf einer kleinen Insel in einem See in der Nähe von Jayapura geboren wurde. Er trat in die Partei von Indonesiens damaligen Präsidenten Suharto ein und wurde 1988 zum Gouverneur von Papua ernannt. Papua hat die Größe Kaliforniens und befindet sich in der westlichen Hälfte der Insel Neu Guinea. (Auf der anderen Hälfte befindet sich der Staat Papua Neu Guinea.) Papua ist fast vollständig von unberührtem Regenwald bedeckt und auf dem Zentralmassiv des Landes befinden sich Schnee und Eis. Die einzige Industrie ist die Gold- und Kupfermine Freeport-McMoran. Nach Suhartos Sturz als Präsident im Jahre 1998 ging Suebu nach Jakarta um Berater des neuen Präsidenten B.J. Habibie zu werden. Kurz darauf wurde Suebu zum Botschafter der indonesischen Regierung in Mexiko ernannt, wo er lernte, dass Länder wie Costa Rica aus dem Schutz ihrer Wälder Profit schlagen. Ein Jahrzehnt später war Costa Rica ein Pionier in dem so genannten Tauschgeschäft „Schulden gegen Natur“, bei dem reiche Länder Darlehen im Tausch gegen Waldschutz abschreiben. „Ich dachte ´Das ist super´, weil man die Wälder schützen und gleichzeitig Geld verdienen kann“, sagte Suebu. Er kam 2002 nach Indonesien zurück und wurde Berater bei der Weltbank. Im Juli 2006 wurde er zum Gouverneur gewählt, das erste Mal, dass der Posten durch eine Volkswahl vergeben worden ist. Im Amt hat Suebu versprochen, die Regierung vor Ort werde Entscheidungen über Papuas Wälder treffen –nicht die Regierung in Jakarta. Die Ausübung des Amtes als Gouverneur hat sich seit seinem letzten Amtsantritt stark verändert. Ein Gesetz von 2001 garantiert Papua ein höheres Maß an Autonomie; inklusive der Entscheidung wie Wälder und andere natürliche Ressourcen an Investoren verteilt werden. Außerdem kommen 80 % der Einnahmen aus den Bodenschätzen und der Forstwirtschaft der lokalen Regierung zugute; aus diesem Grund konnte Suebu 10 000 Dollar an jedes Dorf der Region auszahlen. Doch nach ein paar Wochen im Amt wurde Suebu nach Jakarta zum indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono bestellt. Er erklärte, dass er hoffe Investitionen in Milliardenhöhe ins Land zu ziehen und 3,5 Millionen Arbeitsplätze auf Palmöl-, Cassava- und Zuckerplantagen zu schaffen, die das Rohmaterial für Biosprit darstellen. Das Forstministerium, welches meint, die Gewalt über die Wälder Papuas zu haben, hat 1999 neun Millionen Hektar bewaldetes Gebiet für die Landwirtschaft vorgesehen. Yudhoyono hat von Suebu verlangt, dass er zwei Millionen Hektar der für den Schutz vorgesehenen Fläche für die Errichtung von Plantagen freigibt. Indonesische und malaysische Firmen, die Plantagen errichten wollen, wollen dies auf der Insel veranlassen. Suebu scheute sich davor, denn kleine Areale, auf denen Palmen angepflanzt waren, wurden abgeholzt und das Holz verkauft, so dass die Entwicklung der Plantagen nicht erfolgreich war. Außerdem, so gibt Suebu zu bedenken, wurden in vielen Fällen Arbeiter von der Hauptinsel Java nach Papua geschickt, wodurch sich soziale Konflikte weiter zuspitzten.
In den letzten Jahren haben sich die unberührten Wälder Papuas zu
einem Sammelplatz für Umweltschützer entwickelt, da die anderen Wälder
Indonesiens zunehmend verschwinden. Indonesien hat die weltweit höchste
Abholzungsrate mit einem jährlichen Verschwinden von der Größe
Belgiens. Die UN schätzt, dass bis 2022 in indonesischen Regionen wie
Kalimantan und Sumatra der Regenwald ausgestorben sein wird, wodurch
gleichzeitig das Überleben von Orang-Utans und Elefanten stark
gefährdet sein wird. Suebu möchte Papua vor diesem Schicksal schützen,
weshalb er Yudhoyono auf seine Forderung antwortete: „Wir werden das
nicht machen.“ Doch der Druck auf Suebu stieg an. Die malaysische
Regierung, der weltweit größte Palmölproduzent, hat Suebu eingeladen
sich zu vergewissern, dass die Produktion von Palmöl die Wirtschaft
antreiben kann. Im Januar hat die indonesische Regierung Verträge
unterschrieben, die 12,4 Milliarden Dollar Gewinn einbringen werden.
Die Firmen China National Offshore Oil Corp. und PT Sinar Mas Resources
& Technology haben mit Jakarta vereinbart innerhalb der nächsten
acht Jahre fünf Milliarden Dollar für den Aufbau von Palmölplantagen
auf Papua zu investieren. Im April hielten die beiden Gouverneure einen Gipfel auf Bali, der von der Weltbank unterstützt wurde. In einer Erklärung boten sie an die Waldzerstörung einzudämmen und baten die versammelten Nationen die finanziellen Mittel zu erhöhen. Suebu stimmte zu 1,2 Millionen Hektar für die Projekte zu reservieren, auf denen die indonesische Regierung Palmölplantagen errichten will. Das Areal könnte auf fünf Millionen Hektar vergrößert werden, falls die Pläne erfolgreich vermarktet werden können. Nach der Erklärung von Bali kaufte Sun Anteile an der australischen The Carbon Pool Pty. Ltd., die 2006 als eine der ersten Firmen den Handel mit Kohlenstoffdioxidkrediten durchführte. Bei diesem Projekt kaufte Carbon Pool Farmern im nordöstlichen Queensland die Rechte über 12 000 Hektar Land ab und verkaufte die daraus resultierenden Kohlenstoffdioxidkredite an Rio Tinto Ltd. Sun hofft, dass Rio Tinto ebenfalls in den neuen Gebieten auf Papua und Aceh investieren wird. Rick Humphries, Angestellter bei Rio Tinto in Brisbane sagt, dass die Firma „dringend nach weiteren Möglichkeiten“ zum Schutz von Wald sucht, wobei jedoch nicht speziell von Papua die Rede war.
Im Juli reiste Sun zum ersten Mal nach Papua um mit Suebu Strategien
der Fondvermarktung zu sprechen. Daraufhin flog Sun in die USA um
Gespräche mit Investoren, Firmen und wohlhabenden Interessenten
aufzunehmen.
The Wall Street Journal, Tom Wright |
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