| Spannungen steigen während die Traditionen sterben |
|
|
| Geschrieben von Aubrey Belford | |
| Sonntag, 28. Dezember 2008 | |
Die „Autowäsche“ im abgelegenen Baliem Tal in der Region von Indonesisch-Papua ist nicht so unschuldig wie sie auf den ersten Blick scheint. Wenige Jahrzehnte zuvor wäre etwas derartiges noch nicht vorstellbar gewesen. Dieses Tal, ein fruchtbares Becken umgeben von rauen Bergen, hat erst seit dem Ende des zweiten Weltkriegs Kontakt mit der Außenwelt. Alles, von Kleidung bis Metall über Geld und Medizin, ist hier etwas Neues. Bei der “Autowäsche”, gelegen an einer ruhigen Kreuzung in Wamena Stadt, sitzen obdachlose Männer und Jungen aus den Dörfern an der Straße in der Mittagssonne, trinkend und wartend auf die Ankunft von Autos oder Motorrädern.
Das Waschen der Autos bringt ein wenig Geld, doch das große Geld kommt durch Sex mit den Fahrern. Als sie die Kamera sehen, zeigen die Arbeiter lachend auf Freunde die betrunken und bewusstlos auf dem Boden liegen. An wenigen Orten treffen Moderne und Tradition so dramatisch aufeinander wie im Baliem Tal. Viele ältere Männer sind nackt, bis auf die Koteka, eine längliche röhrenförmige Flaschenkürbis-Schale die den Penis verdeckt, und einem Kopfschmuck aus Federn oder einem aus Baumrinde gewebten stoffähnlichen Material. Christliche Missionare haben Fortschritt gebracht, doch die Flaschenkürbis-Schalen sind oft noch akzeptiert in den von Grashütten und Gemüsegärten umgebenen Kirchen. Aber die Veränderung ist schnell und Allgegenwärtig. Und zu einem großen Teil geleitet von Indonesien, dass die Herrschaft über Papua im Jahr 1969 durch eine Wahl der Stammesältesten erlangte, die zwar von den Vereinten Nationen unterstützt, jedoch trotzdem oftmals als Betrug kritisiert wurde.Die raue Gegend führt dazu, dass es keinen Weg in dieses Tal gibt, außer dem Luftweg. Alles, auch Baumaterial oder Treibstoff, muss mit Propellerflugzeugen herein geflogen werden. Die Flugzeuge bringen auch Siedler aus anderen Teilen Indonesiens, denen auch die meisten Geschäfte und Unternehmen hier gehören, obwohl die einheimischen Papuaner die überwältigende Mehrheit bilden. “Wir sehen unsere Traditionen durch die Entwicklungen Stück für Stück verschwinden”, sagte Paulus Asipalek, 40, ein örtlicher Menschenrechtsaktivist der sich an eine Kindheit erinnert in dem Stammeskriege aufgrund gestohlener Frauen oder Schweine oft eine Gefahr darstellten. „Die alten Menschen erinnern sich wie man hier Nahrung anbaut und aus Baumrinde Taschen und Hütten baut“ sagt er. „Wenn sie sterben führt das dazu, dass unsere Kinder in der Schule dies verlieren.“ Während die Traditionen sterben, steigen die Spannungen zwischen den einheimischen Papuanern und den indonesischen Polizeikräften, Armeekräften und Siedlern. Menschenrechtsverletzungen der Polizei und ungefähr 15.000 Soldaten die geschickt wurden um eine unterschwelligen Separatistenaufstand zu bekämpfen sind ein Problem für ganz Papua, wo viele sich immer noch nach Unabhängigkeit sehnen und die Indonesier als Besatzer sehen. Die Empfindlichkeit der indonesischen Regierung gegenüber Unabhängigkeitsbestrebungen führen dazu, dass Papua meistens für ausländische Journalisten nicht zugänglich ist. AFP durfte, in Begleitung eines Agenten des staatlichen Nachrichtendienstes, der prüfte was berichtet werden durfte, Papua betreten. In dieser Hochlandregion gibt es einen fühlbaren Zorn über die Erschießung des 45jährigen Stammesmitgliedes Opinus Tabuni, angeblich durch Polizei oder Militär - dies bleibt unklar - bei einer Zeremonie anlässlich des Tags der Vereinten Nationen für die Einheimischen Menschen dieser Welt im August. Nach Zeugenaussage wurde Tabuni getötet nachdem die Polizei “Warnschüsse” abgegeben hatte als mehrere hundert Menschen in traditioneller Kleidung die verbotene Separatistenflagge “Morning Star” (Morgenstern) hissten. Derartige “separatistische Symbole” öffentlich zu zeigen ist ein Verbrechen das mit lebenslanger Haft in Gefängnissen in Indonesien bestraft werden kann. Ungefähr 40 Papuaner befinden sich gegenwärtig in Gefängnissen in Indonesien. “Die Leute warten auf den richtigen Moment um sich zu rächen” für Tabunis Tod, sagte ein Zeuge der nicht genannt werden wollte. Es gibt wenig Verantwortung durch die indonesische Polizei und Truppen, die Großteils nicht aus der Region stammen und die ethnische Gruppe der melanesischen Papuaner als Primitive sehen, sagte der Menschenrechtsaktivist Theo Hesegem. “Es gibt definitiv Rassismus, es gibt Diskriminierung. Die Polizei wird sich verteidigen, sie wird Einwanderer verteidigen aber Papuanern wird keine Gerechtigkeit zuteil,“ sagte er. In diesen Tagen sind gelegentliche Fälle von Folter und Missbrauch üblicher als Erschießungen und militärischer Übergriffe wie es während der Zeit des früheren Diktators Suharto geschah, sagte Hesegem, aber die Erinnerungen an das Blutvergießen sind noch vorhanden. Im Dorf Kurulu außerhalb von Wamena, wo die meisten in Grashütten leben und die Fehlernährung der Kinder an ihren Bäuchen zu sehen ist, erinnert sich der 45jährige Judas Dabi an die Jahre in denen er sich im Dschungel versteckte während der blutigen Kämpfe zwischen Separatisten und dem indonesischen Militär in den späten 1970er Jahren. „Wie haben immer noch Angst, Angst erschossen zu werden, Angst zu sterben“, sagte er. Dann blickt er auf die nachrichtendienstliche Begleitung der AFP und ergänzt: “Wir haben immer noch Angst. Aber es ist sicher hier.“ |
| < zurück | weiter > |
|---|




Das Waschen der Autos bringt ein wenig Geld, doch das große Geld kommt durch Sex mit den Fahrern. Als sie die Kamera sehen, zeigen die Arbeiter lachend auf Freunde die betrunken und bewusstlos auf dem Boden liegen. An wenigen Orten treffen Moderne und Tradition so dramatisch aufeinander wie im Baliem Tal. Viele ältere Männer sind nackt, bis auf die Koteka, eine längliche röhrenförmige Flaschenkürbis-Schale die den Penis verdeckt, und einem Kopfschmuck aus Federn oder einem aus Baumrinde gewebten stoffähnlichen Material. Christliche Missionare haben Fortschritt gebracht, doch die Flaschenkürbis-Schalen sind oft noch akzeptiert in den von Grashütten und Gemüsegärten umgebenen Kirchen. Aber die Veränderung ist schnell und Allgegenwärtig. Und zu einem großen Teil geleitet von Indonesien, dass die Herrschaft über Papua im Jahr 1969 durch eine Wahl der Stammesältesten erlangte, die zwar von den Vereinten Nationen unterstützt, jedoch trotzdem oftmals als Betrug kritisiert wurde.


