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Zunächst muss klar festgestellt werden, dass keiner der heute verwendeten Begriffe wie Indigene Völker, Stammesvölker oder Naturvölker eindeutig und per Definition Allgemeingültigkeit besitzt. Im breiten Sprachgebrauch werden die Wörter Naturvölker, Indigene, Eingeborene, Ureinwohner und Stammesvölker für gewöhnlich gedankenlos gemischt. Alle diese Bezeichnungen haben jedoch auch mit jeweiligen Menschengruppen mit sehr spezifischen äußeren und damit sicherlich auch inneren Erbmerkmalen zu tun. Das Wort Ureinwohner oder Autochtone soll ausdrücken, dass es sich um die Nachkommen der ersten Bevölkerungsschicht handelt. Vielfach trifft dies für die so bezeichnete Menschengruppe zu, beispielsweise für die Ureinwohner (englisch: Aborigines) von Australien. Auch die Indianer und die Inuit sind Ureinwohner, weil die ersten Bevölkerungsschichten auf dem amerikanischen Doppelkontinent darstellen. Naturvölker sind zumeist auch Ureinwohner, so die "Negritos" in Südostasien, die Drawidas auf dem indischen Subkontinent, die "Pygmäenvölker" und die khoisaniden "Buschmannvölker" in Afrika. Eingeborene oder Indigene, um das aus dem amerikanischen Englisch stammende Wort zu benutzen, sind Menschengruppen, die seit langer Zeit in ihrem Lebensraum leben. Ureinwohner sind stets Eingeborene oder Indigene. Nicht alle Naturvölker sind aber auch Eingeborene, also Indigene, oder gar Ureinwohner. Als Beispiel seien die so genannten "Buschneger" in Surinam und Guayana genannt. Entsprechend der üblichen Definition sind die eingewanderten Maasai in Ostafrika keine Indigenen. Und wie steht es um die Malayenvölker im indochinesischen Bereich, welche die "Negritos" fast überall verdrängt haben? Sind sie Indigene? Warum dann sind die HanChinesen, die oft gleichzeitig mit ihnen Gebiete besetzten, keine Indigenen? Stammesvölker sind solche Völker, die in Stammesverbänden leben. Naturvölker sind immer auch Stammesvölker. Das ergibt sich aus ihren Lebensweisen. Mit dem Begriff Naturvolk definieren wir Völker, die unabhängig von der industrialisierten Zivilisation den Naturraum bewohnen und diesen weitgehend frei von Technologie nutzen. Die Kopplung an den Technologiebegriff sehen wir deshalb als Grundlage unserer Definition: ist die angewendete Technologie „Natur-schonend“ oder „Natur-zerstörend“... Unsere Definition hat deshalb nichts mit den Begriffen des Romantismus oder „Edlen Wilden“ zu tun! Naturvölker kennen keine Stadtbildung, und ihre Gesellschaft ist nur gering hierarchisch gegliedert. Spezialisierung in verschiedene Berufsgruppen ist ebenfalls kaum vorhanden. Das Individuum bei Naturvölkern sieht sich als Glied in der Kette der Gemeinschaften. Individuelles Denken und Handeln ist damit nur sehr begrenzt entwickelt, was allerdings unter dieser Vorstellung keineswegs als Einschränkung der Freiheit angesehen wird. Dagegen spielt die soziale und vor allem die verwandtschaftliche Bindung eine große Bedeutung. Auch der Eigentumsbegriff an materiellem Eigentum oder gar Land ist in dieser Vorstellungswelt nicht vorhanden und auch gar nicht definierbar. In unserer Arbeit respektieren wir uneingeschränkt den Willen und die Selbstbestimmung der Völker und werden erst aktiv, wenn diese sich mit der Bitte um Hilfe an uns wenden! Naturvölker leben seit vielen Generationen in Stammesgemeinschaften von und in ihrem Lebensraum, der natürlichen Umgebung, ohne diese nachhaltig zu schädigen oder sie zu zerstören. Natürlich verändern Naturvölker auch ihren Lebensraum, jedoch geben sie ihm die entscheidende Möglichkeit zur Regeneration. Damit unterscheiden sie sich von anderen Völkern beziehungsweise von der industrialisierten Welt dadurch, dass diese letzteren entweder ihren natürlichen Lebensraum langfristig verändern und damit zwangsläufig zerstören, oder aber keinen fest umrissenen Lebensraum mehr besitzen, da er bereits zerstört ist. Die industrialisierte Welt bezieht beispielsweise ihre Nahrungsmittel immer mehr, in Städten sogar fast ausschließlich, aus Gebieten, die nicht zur unmittelbaren Umgebung gehören und die auch nicht mehr natürlich sind. Die industrialisierten Völker bezeichnen sich oftmals als Kulturvölker, teilweise auch als Hochkulturen. Mit dem Wort "Hoch" ist die Vorstellung eng verbunden, als seien diese Kulturen etwas Erhobenes, Erhabenes. Demgegenüber gelten Naturvölker als etwas Niedriges. Das drückt sich besonders stark aus in den Wortsynonymen Primitivvölker oder Wilde. Die meisten europäischen Sprachen kennen keine direkte Übersetzung für das Wort Naturvölker. Die englische Übersetzung lautet "primitive peoples", die französische lautet "peoples primitives". Naturvölker empfinden sich als Teil der Biodiversität ihres Ökosystems. Damit kennen sie Werte an sich, beispielsweise den Wert ihres Ökosystems an sich, das es unbedingt zu bewahren gilt, da sie ja selbst ein Teil davon sind. Eine solche Vorstellung ist in der industrialisierten Welt nicht vorhanden oder allenfalls sehr schwach entwickelt. Die ausschließliche Lebensform menschlichen Lebens über die Jahrhunderttausende, seit es Menschen gibt bis vor wenigen hundert Generationen, war die der Naturvölker, das heißt der Stammesvölker, die mit ihrem natürlichen Lebensraum weitgehend in Einklang leben. Erst vor höchstens 15 000 Jahren kamen andere Lebensformen hinzu, die sich mehr und mehr ausbreiteten, nach einiger Zeit aber mit ihrem Verschwinden Wüsten oder stark degradierte Landschaften hinterließen. Heute sind noch in allen Gebieten der Erde, wo Menschen permanent leben ausgenommen in Europa, Naturvölker anzutreffen, zumindest in Resten. Sie sind innerhalb der letzten Generationen überall zu Minderheiten geworden. In allen Nationalstaaten stellen sie eine marginale Bevölkerungsschicht dar. Nur in schwerer zugänglichen Urwaldrestgebieten der tropischen und subtropischen Zonen ist ein solches Leben der völlig autarken Wildbeuter heute noch möglich.
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