| Entdeckung, Kolonialisation und Hintergründe |
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| Geschrieben von Administrator | |
| Sonntag, 30. November 2008 | |
An einem grauen und stürmischen Tag im Jahre 1546 segelte ein Schiff
durch die tosende See des Pazifik. Es war weit von seinem
ursprünglichen Kurs abgetrieben worden. Der spanische Kapitän Inigo
Ortiz de Retes hatte den Auftrag erhalten, für seinen König neue
Ländereien in Besitz zu nehmen. Aber all seine Entdeckerträume schien
der tagelange Sturm, in dem sich sein Schiff befand, zunichte zu
machen- bis Land gesichtet wurde. Am 20. Juni 1545 ging Retes in einer
Bucht vor Anker und nahm das Land für seinen spanischen König in
Besitz. Er bezeichnete die neu entdeckte Küste nach dem Vorbild Guinea
in Westafrika: Neuva Guinea.
An einem grauen und stürmischen Tag im Jahre 1546 segelte ein Schiff durch die tosende See des Pazifik. Es war weit von seinem ursprünglichen Kurs abgetrieben worden. Der spanische Kapitän Inigo Ortiz de Retes hatte den Auftrag erhalten, für seinen König neue Ländereien in Besitz zu nehmen. Aber all seine Entdeckerträume schien der tagelange Sturm, in dem sich sein Schiff befand, zunichte zu machen- bis Land gesichtet wurde. Am 20. Juni 1545 ging Retes in einer Bucht vor Anker und nahm das Land für seinen spanischen König in Besitz. Er bezeichnete die neu entdeckte Küste nach dem Vorbild Guinea in Westafrika: Neuva Guinea. Doch wie so oft in damaliger Zeit, in der vor allem Spanier und Portugiesen die Weltmeere nach Entdeckungen durchsegelten, ist bis heute nicht abschließend mit Gewissheit geklärt, wer als Erster wo und was entdeckt hatte, weil derartige Entdeckungen meist geheim gehalten wurden und damalige Seekarten recht ungenau waren. So ist sich die Geschichtsschreibung nicht ganz einig darüber ob es nun der Spanier Inigo Ortiz de Retes oder bereits der Portugiese Jorge de Meneses war, der Neuguinea als Erster entdeckte. Im Allgemeinen jedoch wird der Ruhm Letzteren, dem portugiesischem Gouverneur der Molukken, zugesprochen. Er soll bereits 1526 mit einem Schiff an der Nordküste (Vogelkopf) gelandet sein. Dort traf er erstmals auf die Bewohner der Insel, die mit Speeren, Pfeilen und Bögen bewaffnet waren. Ihre Körper seien furchterregend mit grellen Farben bemalt gewesen. Da auch er die verblüffende Ähnlichkeit mit den Bewohnern der westafrikanischen Küste wahrnahm, taufte er das Land „Ihlos dos Papua“, die Insel der Kraushaarigen. Andere Quellen berichten, dass die portugiesischen Seefahrer Antonio d`Abreu und Francisco Serrano bereits 1511/12 eine zu Neuguinea gehörige Insel erstmalig gesichtet hatten, jedoch nicht an Land gegangen waren. 1527-29 fand Alvaro de Saavedra Ceron die Admiralitätsinseln (Melanesien) und die östlichen Karolinen (Mikronesien). 1542-45 traf Ruy Lopez de Villalobos auf die zentral gelegenen Marshallinseln sowie die westlichen Karolinen. Auf der Rückreise seiner von Bernaldo de la Torre geführten Flotte entdeckten sie dabei die nördlichen Marianen (Mikronesien). Ortiz de Retez, der einen anderen Teil der Flotte führte, drang an die Nordküste Neuguineas bis zur Ninigogruppe (Melanesien) vor. 1568 entdeckte Alvaro de Medaña y Neya die Salomonen. 1569 erschien Neuguinea erstmalig auf einer Karte, der Mercators-Weltkarte. 1606 entdeckten Pedro Fernandez de Quiros und Louis Vaez de Torres die Tuamotu- Gruppe und Teile der Neuen Hebriden, sowie die Torres-Straße, die nach letzteren benannt wird. Die formale Landnahme durch die Spanier hatte für die Bewohner Neuguineas erst mal keine nennenswerten Folgen über Jahrhunderte hinweg. Einerseits erschwerten vorgelagerte Korallenriffe den Zugang und andererseits herrschte für die Europäer in den undurchdringlichen Regenwäldern und malariaverseuchten Sümpfen ein mörderisches Klima. Zwischen 1792-93 erkundete R.-J. de Bruni D´Entrecasteaux die Salomonen, Louisiaden, Admiralitätsinseln, Neubritannien und einen Abschnitt Neuguineas. Er entdeckte dabei die Trobriandinseln (Melanesien). Im gleichen Jahr (1793) hatte die englische Ostindische Kompanie die erste europäische Siedlung Fort Coronation an der Doreibucht errichtet, um ein Handelsmonopol zu gründen. Die Siedlung wurde wenig später aber wieder aufgegeben. Über 300 Jahre hatten fremde Segler die Insel immer wieder angelaufen, aber erst im Zeitalter des jüngeren Kolonialismus brachte die Eroberung ernsthafte Veränderungen für die Küstenbewohner Neuguineas. Von da ab wurden sie auch in die Sklaverei verschleppt. Sklaven wurden in dieser Zeit vor allem für Plantagen in den Kolonien Peru, Queensland, Samoa oder Fidji benötigt. Über die Auswirkungen dieses Menschenraubes auf die Küstenbewohner ist fast nichts bekannt. Doch vermutlich brachte es tief greifende Veränderungen in den kleinen Küstengemeinschaften, wo beispielsweise die Alterssicherung den Jungen oblag und einzelne Personen wichtige soziale und religiöse Positionen innehatten. Im 19. Jahrhundert begann die intensive Landnahme durch die Europäer. Obwohl die Niederländer ihre Flagge schon 1678 an der Westküste bei Keyts gehisst hatten, okkupierten sie die Westhälfte der Insel Neuguinea bis zum 141. Längengrad offiziell erst 1828 und verleibten sie ihrem Kolonialreich „Niederländisch Indien“ ein. Der entscheidende Wegbereiter dieser wie auch anderer niederländischen Kolonien war zuvor zweifellos die Gründung einer Gesellschaft, die die Geschicke ihrer Interessen in Übersee tief greifend beeinflussen sollten. Weil am Ende des 16. Jahrhunderts vor allem die Portugiesen die mächtigste Handelsflotte der Welt darstellten, schlossen sich am 20. März im Jahre 1602 mehrere, bis dahin in Konkurrenz stehende, holländische Gesellschaften zusammen und gründeten die Vereinigte Ostindische Kompanie (V.O.C.). Grundvoraussetzung dafür war die von den Generalstaaten erteilte Oktroi (staatliche Vollmacht), quasi ein Freibrief für die V.O.C. als kaufmännischer und politischer Körper. Die Kompanie wurde in die Kammern von Amsterdam, von Zeeland, von der Maas (Delft, Rotterdam) und von Nordholland (Hoorn, Enkhuizen) und Westfriesland eingeteilt. Die V.O.C. die erste globale Aktiengesellschaft, die ihre Gesellschaftsanteile auch öffentlich anbot und an einer Art Börse handelte. Jeder hatte die Möglichkeit durch Aktienkauf Teilhaber dieser Gesellschaft zu werden. Da die Haftung der Aktieneigentümer auf den Nominalwert der Aktien begrenzt war, gilt die Vereinigte Ostindische Kompanie als erste Aktiengesellschaft mit moderner Prägung. Wäre zuvor ein holländisches Handelsschiff auf seiner Reise gesunken, so hätte dies für den Eigentümer den sicheren finanziellen Ruin bedeutet. Doch mit Gründung der V.O.C. wurde das Risiko für den einzelnen Kaufmann durch die verschiedenen Teilhaber minimiert. Gewinne in Form von Dividenden, die nicht nur aus Geld, sondern vielmals auch aus Naturalien bestanden, wurden anteilsmäßig ausbezahlt. Die jährliche Gewinnausschüttung der Gesellschaft während ihrer 198-jährigen Firmengeschichte betrug im Durchschnitt stolze 20 Prozent. In Holland bzw. in Europa begehrt waren vor allem Edelmetalle, Erze, Gewürze, Stoffe aller Art, Elfenbein, Felle, kostbare Hölzer, Porzellan, Edelsteine und vieles mehr. Im Jahre 1799 wurde die Vereinigte Ostindische Kompanie schließlich aufgelöst. Auch in England, das ab 1884 Teile des Südostens von Neuguinea für sich beanspruchte, war aufgrund seiner Kolonien, insbesondere in Indien, eine Ostindische Kompanie gegründet wurden. Wie die holländische V.O.C. war ebenso die englische Ostindische Kompanie eine Grundvoraussetzung für die maximierte Ausbeutung der Kolonialgebiete, vor allem zugunsten privater Anteilseigner. Karl Marx hatte in der „New-York Daily Tribune“ Nr. 3816 vom 11. Juli 1853 „die Ostindische Kompanie, ihre Geschichte und die Resultate ihres Wirkens“ thematisiert: Die eigentlichen Anfänge der Ostindischen Kompanie reichen nicht weiter als bis 1702 zurück, als die verschiedenen Gesellschaften, die auf das Monopol des ostindischen Handels Anspruch erhoben, sich zu einer einzigen Kompanie zusammengeschlossen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt war selbst das Bestehen der ursprünglichen Ostindischen Kompanie wiederholt gefährdet: einmal, zur Zeit des Protektorats Cromwells, wurde sie auf Jahre hinaus suspendiert, ein andermal, unter der Herrschaft Wilhelms III., durch Eingreifen des Parlaments mit gänzlicher Auflösung bedroht. Es war unter der Herrschaft jenes holländischen Prinzen, als die Whigs zu den eigentlichen Schöpfern des Reichtums des Britischen Reiches wurden, die Bank von England ins Leben gerufen wurde, das Schutzzollsystem in England festen Fuß gefasst hatte und das Gleichgewicht der Kräfte in Europa endgültig hergestellt war, dass das Bestreben einer Ostindischen Kompanie durch das Parlament anerkannt wurde. Das Bündnis der konstitutionellen Monarchie mit den monopolistischen Finanzinteressen, der Ostindischen Kompanie mit der „glorreichen“ Revolution von 1688, wurde durch die gleiche Macht gefördert, mit deren Hilfe die liberalen Interessen und die liberale Dynastie zu allen Zeiten und in allen Ländern sich fanden und zusammenschlossen: durch die Macht der Korruption, diese erste und letzte Triebkraft der konstitutionellen Monarchie... . Wie parlamentarische Untersuchungen ergaben, erreichen die jährlichen Ausgaben der Ostindischen Kompanie unter dem Posten „Geschenke“ an Regierungsmänner - einem Posten, der vor der Revolution 1.200 Pfd.St. nur selten überschritten hatte - bereits 1693 die Summe von 90.000 Pfd.St. Der Herzog von Leeds wurde beschuldigt, eine Bestechungssumme von 5.000 Pfd.St., und der tugendhafte König selbst wurde überführt, eine solche von 10.000 Pfd.St. empfangen zu haben. Außer durch solche direkten Bestechungen wurden Konkurrenzgesellschaften dadurch beseitigt, dass man der Regierung enorme Darlehen zu niedrigstem Zinsfuß gewährte oder rivalisierende Direktoren dieser Gesellschaften kaufte. Die Ostindische Kompanie musste die Macht, die sie - ebenso wie die Bank von England - durch Bestechung der Regierung erlangt hatte, nun auch - ebenso wie die Bank von England - durch weitere Bestechungen aufrechterhalten. Jedes mal, wenn die Frist ihres Monopols abgelaufen war, vermochte sie eine Erneuerung ihrer Charte nur durch die Anbietung neuer Anleihen und neuer Geschenke an die Regierung zu erwirken. Die Ereignisse dieses siebenjährigen Krieges verwandelten die Ostindische Kompanie aus einer Handels- in eine Militär- und Territorial-Macht. Damals wurde der Grundstein zum gegenwärtigen Britischen Reich im Osten gelegt. Die Ostindische Kompanie begann ihre Tätigkeit damit, dass sie bloß den Versuch machte, Faktoreien für ihre Agenten und Depots für ihre Waren einzurichten. Um diese zu schützen, baute sie mehrere Forts. Obwohl sie bereits 1689 die Absicht hatte, ihre Herrschaft in Indien zu begründen und die Bodensteuer zu einer ihrer Einkommensquellen zu machen, hatte sie bis 1744 doch nur einige unwichtige Distrikte um Bombay, Madras und Kalkutta erworben. Der Krieg, der danach in Karnatik ausbrach, hatte zur Folge, dass die Kompanie nach einer Reihe von Kämpfen zum tatsächlichen Souverän dieses Teils Indiens wurde. Weit beträchtlichere Folgen hatten der Krieg in Bengalen und die Siege von Clive. Diese führten zur faktischen Besetzung von Bengalen, Bihar und Orissa. (Ausschlaggebend dafür war die Schlacht bei Plassey 1757, wo Oberst Clive mit nur 900 Europäern, unter denen 100 Artilleristen sowie 50 Matrosen waren, und 2100 Topassen (indische Hilfstruppen) den Herrscher von Bengalen und Bihar, Siraj-du-Duala, mit seinem Heer von 50 000 Fußtruppen, 18 000 Reitern und 50 Kanonen, besiegte.) Ende des 18. und in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts folgten dann die Kriege mit Tippu Sahib, die einen bedeutenden Machtzuwachs und eine ungeheure Ausdehnung des Subsidienssystems herbeigeführt hatten. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ist schließlich die erste geeignete Grenze Indiens, und zwar die innerhalb der Wüste, erobert worden. Erst damit hatte das britische Weltreich im Osten jene Gegenden Asiens erreicht die stets der Sitz jeder mächtigen Zentralgewalt Indiens gewesen waren. Doch der verwundbarste Teil des Reiches, von dem aus es noch immer, sobald ein alter Eroberer durch einen neuen vertrieben wurde, überrannt worden war, die Barriere der Westgrenze, befand sich noch nicht in den Händen der Engländer. In der Periode von 1838 bis 1849, in den Kriegen gegen die Sikhs und Afghanen, setzte sich das englische Regime durch die gewaltsame Annexion von Pandschab und Sind endgültig in den Besitz der ethnografischen, politischen und militärischen Grenzen des ostindischen Kontinents. Deren Besitz war unbedingt notwendig, um jede aus Mittelasien einfallende Macht zurückzuschlagen und um Russlands Vordringen gegen die Grenzen Persiens zu verhindern. Im Laufe dieses letzten Jahrzehnts wurde das britische Hoheitsgebiet in Indien um 167.000 Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von 8.572.630 Seelen vergrößert. Was das Innere des Landes anbelangt, so waren nun alle einheimischen Staaten von britischem Besitz umringt, in verschiedener Form der britischen Suzeränität unterworfen und mit der einzigen Ausnahme von Gudscharat und Sind von der Seeküste abgeschnitten. Was die äußere Gestalt Indiens betrifft, so war Indien damit vollendet. Erst seit 1849 besteht ein einheitliches großes angloindisches Reich. Zu Beginn ihrer Tätigkeit unter der Herrschaft Elisabeths erhielt die Ostindische Kompanie, um ihren Handel mit Indien gewinnbringend fortführen zu können, die Erlaubnis, alljährlich Silber, Gold und ausländische Münzen im Werte von 30.000 Pfd.St. auszuführen. Ein Vorgehen des Parlaments gegen die Ostindische Kompanie wurde Ende des 17. und während des größeren Teils des 18. Jahrhunderts wieder verlangt, aber nicht von der Handelsklasse, sondern von der Industriellenklasse, als die Einfuhr von Baumwoll- und Seidenstoffen aus Ostindien die armen englischen Fabrikanten angeblich zugrunde richtete... Das Parlament griff hierauf ein. Durch die Regierungsakte Wilhelms III. Nr. 11 und 12, Kapitel 10, wurde angeordnet, dass das Tragen von verarbeiteter Seide wie von bedrucktem oder gefärbtem Kattun aus Indien, Persien und China verboten sei. Alle Personen, die sich im Besitz solcher Waren befänden oder solche verkauften, würden einer Geldstrafe in Höhe von 200 Pfd.St. unterworfen. Ähnliche Gesetze wurden wegen der wiederholten Beschwerden der später so "aufgeklärten" britischen Fabrikanten unter Georg I., II. und III. erlassen. So wurden also während des größeren Teils des 18. Jahrhunderts indische Manufakturwaren im allgemeinen nach England nur eingeführt, um auf dem Kontinent abgesetzt zu werden. Vom englischen Markt selbst blieben sie ausgeschlossen. Außer diesem durch die gierigen britischen Fabrikanten veranlassten Eingreifen des Parlaments in die ostindischen Angelegenheiten wurden bei jeder Erneuerung der Charte seitens der Kaufleute von London, Liverpool und Bristol Anstrengungen gemacht, um das Handelsmonopol der Ostindischen Kompanie zu durchbrechen und sich an diesem Handel, in dem man eine wahre Goldgrube erblickte, zu beteiligen. 1813 war die Ostindische Kompanie nicht mehr in der Läge, dem Druck des nicht monopolisierten Handels standzuhalten. Mit Ausnahme des Monopols für den Chinahandel wurde der Handel mit Indien unter bestimmten Bedingungen für das private Unternehmertum freigegeben. Nach der Erneuerung der Charte im Jahre 1833 fielen schließlich auch diese letzten Einschränkungen: Der Kompanie wurde jeglicher Handel verboten, ihr kommerzieller Charakter wurde völlig aufgehoben und ihr Privileg, britische Staatsangehörige vom indischen Territorium fernzuhalten, annulliert. Als 1813 der Handel mit Indien freigegeben worden war, hat er sich in kürzester Zeit mehr als verdreifacht. Doch war das noch nicht alles. Der ganze Charakter des Handels wurde geändert. Bis 1813 war Indien in der Hauptsache ein exportierendes Land, während es nun zu einem importierenden wurde, und zwar mit einer solchen Geschwindigkeit, dass der Wechselkurs, der im Allgemeinen 2 sh. 6 d. für die Rupie betrug, 1823 schon auf 2 sh. für die Rupie zurückgegangen war. Indien, seit undenklichen Zeiten die gewaltigste Werkstatt für Baumwollwaren, wurde nun mit englischem Garn und englischen Baumwollstoffen überschwemmt. Hatte man die einheimische indische Produktion von England ferngehalten oder nur unter den härtesten Bedingungen zugelassen, so wurde Indien nun selbst mit englischen Waren bei niedrigem, lediglich nominellem Zoll überschwemmt. Das bedeutete den Ruin der einst so berühmten einheimischen Baumwollindustrie. In gleichem Maße, wie die Baumwollindustrie von vitaler Bedeutung für das gesamte soziale System Großbritanniens wurde, wurde Ostindien von vitaler Bedeutung für die englische Baumwollindustrie. Soweit waren die Interessen der Plutokratie, die Indien zu ihrem Grundeigentum gemacht, die Interessen der Oligarchie, die es mit ihren Armeen erobert, und die Interessen der Millokratie, die es mit ihren Fabrikaten überschwemmt hatten, Hand in Hand gegangen. Je mehr aber die britischen Industriellen vom indischen Markte abhängig wurden, um so mehr fühlten sie die Notwendigkeit, in Indien, nachdem sie dort die einheimische Industrie zerstört hatten, neue Produktivkräfte zu schaffen. Man kann nicht auf die Dauer ein Land mit seinen eigenen Erzeugnissen überschwemmen, wenn man ihm nicht ermöglicht, irgendwelche andere Produkte dafür in Austausch zu geben. Außerdem fanden sie, dass sie bei allen Versuchen, in Indien Kapital anzulegen, auf Hindernisse und Schikanen seitens der britischen Behörden in Indien stießen. So wurde Indien zum Schlachtfeld im Kampfe zwischen dem Industriekapital auf der einen und der Plutokratie und Oligarchie auf der anderen Seite. Die britischen Industriellen, ihres überwiegenden Einflusses in England sicher, verlangen jetzt die Vernichtung dieser ihnen feindlich gegenüberstehenden Mächte in Indien, die Zerstörung des dortigen gesamten alten Verwaltungsapparates und die endgültige Beseitigung der Ostindischen Kompanie. (Karl Marx) Die Beispiele der holländische V.O.C. wie auch die der englischen Ostindischen Kompanie zeigen, dass erst der Zusammenschluss verschiedener Interessenvertreter Monopol und Kartelle nicht nur garantieren, sondern in größeren Umfang erst ermöglichen. Sowohl die Monopolstellung als auch der Verdrängungswettbewerb zwischen den unterschiedlichen Machtkonstellationen wurden zur fruchtbare Voraussetzung für den „wirtschaftlichen Erfolg“ der damaligen Kolonialmächte. Doch waren Holland und England in dieser Beziehung in Neuguinea weitaus weniger aktiv. Hier waren es insbesondere die Deutschen, die deswegen eine ausführlichere Betrachtung verdienen. Im gleichen Jahr wie England hatte das deutsche Kaiserreich seine Ansprüche in diesem Erdteil geltend gemacht und in Berlin eine Neuguinea Kompanie gegründet. Die erste Besitzergreifung fand im Herbst 1884 statt und beschränkte sich zunächst auf das nördliche Neuguinea (Kaiser-Wilhelm-Land) und den Bismarckarchipel mit den nordwestlichen Salomonen. In Mikronesien wurden 1885 die Marschallinseln deutsch. Hinsichtlich der Karolinen und Marianen kam zu dem bekannten, für Spanien eintretenden Schiedsspruch Leos XIII.. Die Karolinen mit den Palauinseln und den Marianen (ohne Guam) wurden 1899 an das Reich verkauft. Am Anfang des Jahres 1900 fand die Erwerbung des deutschen Anteiles an der Samoagruppe statt, diesmal aufgrund eines Vertrages zwischen dem Deutschen Reich, Großbritannien und der Union. Von einem wahren „Taufrausch“ beseelt, wurde von den Deutschen Kolonialherren versucht, das Optimale aus dem Land zu holen. Kokosplantagen wurden angelegt, Siedlungen errichtet und Expeditionen ins Landesinnere unternommen. Bei der Erforschung der Kolonie haben sich die Deutschen wie Finsch, Schrader oder von Schleinitz besonders hervorgetan. Doch die deutsche Kolonialherrschaft dauerte nur bis zum 1. Weltkrieg. Am 14. September 1914 kapitulierten die deutschen vor den australischen Truppen. Die Australier, die bereits für England den südöstlichen Teil verwaltet hatten, übernahmen ab 1920 den gesamten Ostteil von Neuguinea. Der Westteil blieb weiterhin von Holland annektiert. Wie prägend die Kultur- und Glaubenskontakte für die Papuabevölkerung gewesen sind, belegen die entstandenen „Cargo-Kulte“. Sie beziehen sich hauptsächlich auf den wirtschaftlichen Reichtum und die technische Überlegenheit der Weißen. Die auftretende Bewegung ist aus einem materiellen Wunschtraum und einer immateriellen Heilserwartung entstanden und spiegelt die tiefe Krise der traditionellen Gesellschaft wider. Es handelt sich hierbei um eine religiös motivierte Protest- und Anpassungsbewegung. Man glaubte, dass materielle Dinge von den Ahnen geschickt werden und das man, als Form der Selbsterhaltung, diese religiösen Kräfte nur erreichen musste, um jene Güter zu bekommen. In diesen Heilserwartungen vermischen sich lokal-religiöse Vorstellungen mit christlichen Elementen. Einheimische „Propheten“ verkündeten, dass die Ahnen bald auf die Erde zurückkommen, um ihnen Schiffe voller Güter, wie die Weißen sie besitzen, bringen würden. Im gesamten melanesischen Großraum sind bislang etwa 200 dieser „Cargo- Kulte“ bekannt. Heute ist die Insel, politisch betrachtet, geteilt. Der östliche Teil Papua Neuguinea, mit dem Bismarck Archipel, Bougainville und Buka (Salomonen) sowie 600 kleineren Inseln wurde 1975 unabhängig. In Papua Neuguinea gibt es eine Vielzahl von Bevölkerungsgruppen, die sich alle in Sprache und Kultur unterscheiden. Etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in den fünf fruchtbaren Hochlandprovinzen. Die wohl bekanntesten Vertreter sind die Huli, die Chimbu und die Enga. Im Süden sind es die ehemals gefürchteten Kopfjäger der Kukukuku, die heute Anga genannt werden. Für ihre in die männlichen Reifefeiern eingebetteten Krokodilshauttätowierungen berühmt geworden sind die Jatmul am mittleren Sepik. Der Westteil der Insel Neuguinea wurde 1969 in den Vielvölkerstaat Indonesien eingegliedert und erhielt den Namen Irian Jaya. Dieser Name bedeutet so viel wie „Heißes Land“. Von den Einheimischen wird dieser Teil der Insel jedoch nach wie vor als West Papua bezeichnet. Seit der erneuten kolonialen Bevormundung durch Indonesien setzte eine hemmungslose Einwanderung ein. Heute leben in West Papua knapp 2 Millionen Einwohner, die in 156 verschiedene ethnische Gruppen mit 142 unterschiedlichen Sprachen unterteilt sind. Davon sind circa 800.000 indonesischen Migranten. Aufgrund fehlender Kontakte zur Außenwelt und mangelnder Infrastruktur ist die Kultur in einigen Regionen noch nahezu unverändert. Diese Ethnien leben vorwiegend vom Bodenbau und der Kleintierzucht, vom Sammeln oder Jagen. Selbst akkulturierte Gruppen, wie die Amungme im Süden oder die Mek im zentralen Hochland, existieren noch überwiegend von dieser Subsistenzwirtschaft. Durch diese Selbstversorgung mit Lebensmitteln leben sie noch weitestgehend eigenständig, obwohl auch sie schon die „Segnungen“ der Zivilisation, wie Metall oder Kleidung, zu schätzen wissen. Andere, in der Nähe großer wirtschaftlicher Zentren lebende Ureinwohner, sind jedoch bereits kulturell vernichtet. Von ihrer ursprünglichen Kultur ist vielmals nur noch die Sprache übrig geblieben. Meist vegetieren sie am Rande der Städte in bitterer Armut dahin. Quellen: Melcher H.: http://www.harald-melcher.de/haupt/history.htm [15.05.2003] http://www.univie.ac.at/ospg/ [20.08.2003] http://www.univie.ac.at/ospg/ (Zugriff Jan. 2002) Bitterli U. 1981: Die Entdeckung und Eroberung der Welt. Band 2, C. H. Beck Verlag, München http://www.boersenschule24.de/geschichte/ersteag.htm [10.06.2003] Marx K., Engels F. 1960: Werke. Dietz Verlag, Berlin/DDR, Band 9 Orme R. 1786: Die Engländer in Indien. Band 2, Leipzig Dove R. 1911: Die Deutschen Kolonien, Band II. Das Südseegebiet und Kiautschou. Göschen'sche Verlagshandlung Kremnitz Walter A. 1988: Neuguinea, Floristische und ethnobotanische Betrachtungen. Andechs-Frieding Garve R. 1999: Vom Leben der Asmat, Kombai und Korowoi in Irian Jaya. Rudolstadt Garve R. 1991: Irian Jaya. Leipzig |
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