Menu Content/Inhalt
Transmigration nach West Papua Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Sonntag, 30. November 2008
Auch die demografischen Veränderungen zwischen dem Verhältnis von Papua und Nicht-Papua setzten erst spürbar mit der Eingliederung West Papuas ins indonesische Staatsgebilde 1963 ein. Das Transmigrationsprogramm (Transmigrasi), u. a. auch von Weltbankgeldern finanziert, hatte mehrere Ziele:
a)    die  Überbevölkerung  auf  anderen  indonesischen  Inseln wie Java abbauen und
b)    ein ethnisches Gleichgewicht zwischen Papua und Nicht-Papua in West Papua schaffen.

Das Transmigrationsprogramm ist ein wesentlicher Faktor anti-indonesischer Einstellungen innerhalb der Papua-Bevölkerung, die sich von den Zuwanderern qualitativ wie quantitativ an den Rand gedrängt fühlen. 1.460.846 Einheimische und 772.684 Zuwanderer lebten im Jahr 2000 in West Papua. Mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung besteht demnach aus Migranten und deren Nachkommen; in einigen Gebieten sind die Papua bereits zur Minderheit geworden. Transmigration wird von etlichen Papua als neue Form des Kolonialismus wahrgenommen, da Regierungs-, Verwaltungs- und Militärposten unter Suharto fast ausschließlich mit Nicht-Papuas besetzt wurden und der ökonomische Sektor bis heute von Migranten dominiert wird. Restaurants, Banken, Hotels, Essens- und Marktstände sowie öffentliche Transportmittel sind zu fast hundert Prozent in den Händen von Zuwanderern. Aufgrund der Überfremdung, den sicherheitspolitischen Aspekten und der ökonomischen wie kulturellen Diskriminierung einheimischer Gruppen, die in Papua durch die extrem unterschiedliche Kultur nachhaltiger als in anderen Zielgebieten greift, ist die Transmigration nach Papua besonders umstritten.
Bereits 1902, drei Jahre vor dem offiziellen Beginn des niederländischen Kolonisierungsprogrammes, siedelten die Niederländer die ersten Javaner nach Merauke an der Südspitze Papuas. Ab 1908 wurden weitere Siedler aus Java und Ost-Timor in das Gebiet um Merauke angesiedelt. Die landwirtschaftliche Produktion der Zuwanderer diente seinerzeit hauptsächlich der Versorgung der niederländischen Regierungsbeamten sowohl in Merauke als auch auf Java, wo eine Nahrungsmittelknappheit den Import von Agrarprodukten erforderlich machte. 1964 kamen die ersten Zuwanderer unter der indonesischen Regierung nach Papua. Damals wurden die Umsiedler aber noch nicht als Transmigranten, sondern als Pelopor Pembangunan Irian Barat, als Entwicklungspioniere des westlichen Irians bezeichnet. Die Ansiedlung konzentrierte sich weiter auf die Merauke Region, die sich in den Folgejahren zu einem Zentrum der Transmigration auf Papua entwickelte und deren Fläche 1984 zu zwei Dritteln aus Transmigrantensiedlungen bestand. Die Transmigration im Jahre 1964 war indes minimal: im Ganzen kamen 48 Familien nach Papua, davon 27 nach Kumbe (Landkreis Merauke), 12 nach Manokwari und neun Familien siedelten nach Dosai (Landkreis Jayapura). In den darauf folgenden Jahrzehnten entwickelten sich zudem die Regionen um Jayapura, Manokwari, Sorong, Nabire und Fak-Fak zu Ansiedlungszentren.

Abb: Transmigrantionsgebiete in West Papua
Image















Quelle: Nach einer Vorlage von Forest Watch Indonesia 1999 sowie TAPOL Bulletin No. 62, März 1984/ verändert

Den ersten deutlichen Höhepunkt der Transmigration erreichte Papua während des dritten Fünfjahresplans (1979-1984), als 19.391 Familien oder 80.835 Personen angesiedelt wurden. Die damalige Schwerpunktverlagerung ist auf die zunehmende Landknappheit der Zielgebiete Sumatra und Sulawesi zurückzuführen. Aufgrund finanzieller Probleme konnte das Ziel von 275.000 Umsiedlern für Repelita IV nicht erreicht werden, weshalb die eigen-verantwortliche Transmigration verstärkt propagiert wurde und seit Ende der 80er die staatlich geförderte Transmigration um ein vielfaches übersteigt.

Quellen:
Barr, J. 2002: Gedanken über Papua - Völkermord könnte die Zukunft sein. In: West Papua Netzwerk (Hg.): West Papua Rundbrief Nr. 23
Mampioper, D., o. J. : Transmigrasi di Tanah Papua Membangun Siapa?. Jayapura
Tapol (Hg.) 1984: Tapol Bulletin No. 61
Nach einer Vorlage von Forest Watch Indonesia 1999 sowie TAPOL Bulletin No. 62, März 1984/ verändert
Petocz, G., R. 1989: Conservation and Development in Irian Jaya. New York, Leiden, Kopenhagen
Dauth, J. 1983: Der geplante Exodus. In: die Weltmission. Wuppertal

Das folgende ist ein Auszug aus Dr. Jim Elmslie's Papier, „West-Papua: Genozid, demographische Veränderungen, das Thema „Absicht“ und der Australien-Indonesien Sicherheitsvertrag.“

In den letzten 43 Jahren gab es in West Papua viel Töten; Menschen sind verschwunden; Landenteignungen und repressive indonesische Regierungspolitik haben die Demographie der Provinz ernsthaft betroffen...

1971 gab es 887,000 „Irian Geborene“ (Papua) Menschen in West Papua und 36.000 „Nicht-Irian-Geborene“ (asiatische Indonesier), mit einer Gesamtbevölkerung von 923.000. Dies bedeutet, dass sogar nach 8 Jahren indonesischer Kontrolle, die Papua 1971 96 % der Bevölkerung ausmachten.

Danach wurde die Unterscheidung zwischen Irian-Geborenen und Nicht-Irian-Geborenen weniger deutlich; Kinder der Nicht-Irian-Geborenen Einwanderer wurden Irian-Geborene. Ich habe die Zahl der Papua Bevölkerung hergeleitet von der Volkszählung 1990 durch unterscheiden der Bevölkerung in diejenige, die Bahasa Indonesisch als Muttersprache sprechen und in diejenige, die sie nicht sprechen. Dies, da die Volkszählung das Herkunftsprofil der Provinz nicht aufzeigt. Auf dieser Basis gab es 1990 1.215.897 Papua und 414.210 Nicht-Papua bei einer Gesamtbevölkerung von 1.630.107. Die Papua machten 74,6% Gesamtbevölkerung aus, die Nicht-Papua 25,4%.

Das Bevölkerungswachstum der Papua von 887.000 auf 1.215.897 in der Zeit von 1971 bis 1990 zeigt eine jährliche Wachstumsrate von 1.67%. In der Vermutung, dass diese Wachstumsrate bis 2005 anhielt, gemäß der jüngsten Zahlen, die vom indonesischen statistischen Amt erlassen wurden, wären die Papua 1.558.795 der Gesamtbevölkerung von 2.646.489 und die Nicht-Papua 1.087.694. Dies bedeutet, dass 2005 die Papua 59% der Bevölkerung ausmachten und die Nicht-Papua 41%.

Diese Analyse zeigt, dass die Papua sich verringert haben im Verhältnis von 96% auf 59%, und die Nicht-Papua anwuchsen von 4% auf 41%. Das zeigt ein Wachstum der Papua von 887.000 auf 1.558.795 in der Zeit von 1971 bis 2005 oder 75,7%. Im Gegensatz dazu sind die Nicht-Papua gewachsen von 36.000 auf 1.087.694, ein Wachstum von 3021% oder mehr als 30-mal mal soviel. Dies spiegelt eine jährliche Wachstumsrate der Nicht-Papua von 10.5% von 1971 bis 2005.

Mit diesen beiden Wachstumsraten der Papua und Nicht-Papua, von 1,67% bzw. 10.5%, können wir ein zukünftiges Bevölkerungswachstum und ungefähre Prozentzahlen der beiden Gruppen vorhersagen. In 2011 bei einer Gesamtbevölkerung von 3.7 Millionen, würden die Papua die kleinere Völkergruppe von 47,5% mit 1.7 Millionen und die Nicht-Papua die Mehrheit mit 1.98 Millionen oder 53,5 % sein. Die Nicht-Papua Mehrheit wird auf 70,8% bis 2020 steigen bei einer Bevölkerung von 6.7 Millionen. 2030 werden die Papua lediglich 15,2 % der Gesamtbevölkerung von 15,6 Millionen ausmachen, während die Nicht-Papua 13,2 Millionen zählen werden oder 84,8 %. Dies könnte eine unangemessen optimistische Vorhersage für die Papua sein, da die gegenwärtige HIV-AIDS Epidemie in dieser Bevölkerungsgruppe fest etabliert ist und Auswirkung haben könnte ähnlich wie in Afrika, indem Anzahl und Wachstumsraten noch mehr dezimiert werden.

Neben der verhältnismäßigen Abnahme der Papua gerechnet in Prozent der Bevölkerung, unterliegen sie auch einer wesentlich niedrigeren Wachstumsrate als die der melanesischen Papua auf der anderen Seite der Grenze in Papua Neu-Guinea. Hier ist die Bevölkerung um 2.6% im Jahr gewachsen, seit der Unabhängigkeit 1975. PNG fungiert fast als eine Kontrollbevölkerung bei der Untersuchung von Wachstumsraten der Papua, da die indigenen Völker beider Seiten sehr eng verwandt sind und bis vor kurzer Zeit in Gemeinschaften siedelten und sich selbst über Jahrtausende selbst erhalten haben. Falls die Papua unter indonesischer Kontrolle sich der gleichen Wachstumsraten erfreut hätten wie diejenigen in Papua Neu-Guinea, 2,6%, dann wäre ihre Bevölkerungszahl bei 2.122.921 oder um 564.125 höher als in 2005. Diese demographische Diskrepanz kann der indonesischen Herrschaft zugeschrieben werden.

Demzufolge, nach einem Bevölkerungsanteil von 96% in 1971, werden die Papua in ein oder zwei Generationen zu einer kleinen Minderheit geschrumpft sein. Dies wird auch für Papua Neu-Guinea große Konsequenzen haben, da das indonesische Militär/Wirtschaftsgruppen sich in diesem Land sogar mehr engagieren, besonders in der Holzindustrie und Einzelgeschäften. Mit der wachsenden Militarisierung West Papuas, besonders in den Grenzgebieten, könnte PNGs eigene Sicherheit bedroht werden.



 
< zurück   weiter >

Spenden

Freunde der Naturvölker e.V.
Postbank Hamburg
Überseering 26
22297 Hamburg

BLZ 200 100 20 Konto-Nr. 6196205

IBAN DE80 2001 0020 0006 1962 05
BIC PBNKDEFF

Sicher Onlinespenden:
Bank für Sozialwirtschaft FdN-Konto

Suche