| Die Übernahme West Papuas durch Indonesien |
| Geschrieben von Administrator | |
| Sonntag, 30. November 2008 | |
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1949 erlangte Indonesien seine Unabhängigkeit unter Führung Sukarnos
von der niederländischen Kolonialregierung. Das damalige indonesische
Staatsgebiet erstreckte sich östlich bis vor die Küste West Papuas zu
den Molukken, südlich bis nach West Timor, westlich bis Sumatra und
nördlich bis Borneo. Im sogenannten Canberra Agreement von 1959 hatten
die Holländer und Australien beschlossen, der gesamten Insel die
Unabhängigkeit zu geben.
1961 hatte Indonesien unter Führung des Präsidenten Sukarno eine Kampagne gegen Kolonialismus und Imperialismus gestartet und forderte die Einverleibung West Papuas in die Republik Indonesien. Das Bestreben wurde von Staaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der ehemaligen UdSSR unterstützt. Auf diesen Druck hin unterzeichneten die Niederlande und Indonesien am 15. 8. 1962 eine Vereinbarung, das „New York Agreement“. Die Übereinkunft sicherte dem Volk West Papuas bis Ende 1969 (Artikel 20) eine unabhängige Volksabstimmung zu. Die Einwohner des Gebietes sollten selbst darüber entscheiden, ob sie bei Indonesien bleiben wollten oder nicht, so der Artikel 18. Die Vereinbarung regelte auch, dass als Übergang die Verwaltung ab dem 1. 10. 62 für sieben Monate an die United Nations Temporary Executive Authority (UNTEA) gehen solle. Die Regelungen des „New York Agreement“ waren jedoch schon unmittelbar nach seiner Annahme durch die Vereinten Nationen auf heftige Kritik gestoßen. Der bekannte französische Jurist Francois Monconduit beklagte schon damals die geringen Chancen, die dem Volk West Papuas mit diesem Vertrag gegeben würden. Die UNTEA übergab am 1. Mai 1963 die Macht wieder an Indonesien. Am darauf folgenden Tag demonstrierte die indonesische Kulturministerin Rusiah Sarjono das eindeutige Ziel indonesischer Herrschaft. Sie organisierte in den Straßen Jayapuras die Verbrennung jeglicher Freiheits- und Eigenständigkeitssymbole West Papuas: Fahnen und Schulbücher. Zwei Tage später wurde die populäre Volksversammlung West Papuas ihres Amtes enthoben und durch die von Indonesien eingesetzten Pro- vinzräte abgelöst. Danach folgte das, was als „The Act of Free (NO) Choice“ in die jüngste Geschichte des Landes einging. Im April 1969 gab das indonesische Innenministerium bekannt, dass nach Absprache mit den Räten die Volksabstimmung nach dem „musjawahrah“ durchgeführt werden sollte, d. h. auf die Art, wie in javanischen Dorfgemeinschaften ein Beschluss gefasst wird: So lange zu verhandeln und zu diskutieren, bis alle einverstanden sind. Auf etwa 800 Einwohner West Papuas kam ein „Vertreter“. 1.025 „Vertreter“ aus Kreisen der politischen (indonesischen) Parteien und ausgewählten Provinzräte bildeten acht Kommissionen. Jede Kommission musste zu einem „einheitlichen“ Beschluss kommen, wenn das Territorium nicht mehr ein Teil Indonesiens bleiben solle. Zur Unterstützung dieses „einheitlichen Beschlusses“ wurden die indonesischen Besatzungstruppen Ende 1968 auf ca. 30.000 Mann verstärkt. Der Bevölkerung wurde gedroht, dass man jegliche „Unregelmäßigkeiten während der freien Wahlen“ nicht dulden werde. Durch diese Vorgehensweise eingeschüchtert, beschlossen die „Volksvertreter“ am 2. 8. 1969 einstimmig die Zugehörigkeit zu Indonesien. Obwohl der UN-Vertreter Ortiz Sanz schon im August 1969 auf diplomatischem Wege gegen die Art und Weise der „Abstimmung“ protestiert hatte, akzeptierte die UN am 19. 11. 1969 mit Mehrheit das (indonesische) Ergebnis und stimmte der Neukolonisation, also einer erneuten wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Abhängigkeit, diesmal von Indonesien, zu - im Gegensatz zu allen vorher gemachten Versprechungen! Auch die Proteste von 15 afrikanischen Staaten unter der Führung Ghanas fanden in dieser Beziehung wenig Widerhall. Die Ziele der Annektierung definierte Indonesien selbst. Der damals diktatorisch geführte Vielvölkerstaat machte keinen Hehl aus seinen Bestrebungen, ein neu errungenes Gebiet politisch zu unterwerfen und wirtschaftlich auszubeuten. Jegliche Unabhängigkeitsbemühungen von Seiten der Ureinwohner wurden - wie Jahrhunderte vorher in den Kolonien der Europäer - ebenfalls blutig niedergeschlagen. Eine schlüssige Konsequenz für das erneut seiner Eigenständigkeit beraubte Volk in West Papua war die Bildung der Befreiungsorganisation OPM (Organisasi Papua Merdeka - Organisation Freies Papua) bereits im August 1965. Unter diesem Link der indonesischen Botschaft in UK (Zugriff 19.12.2008) finden Sie einen Text der folgendes sagt: Indonesien übernahm die Kontrolle über Papua, eine ehemalige Holländische Kolonie in der Westhälfte der Insel Papua Neuguinea, nach einem Referendum an ausgewählten Papuas 1969, weithin angesehen als Betrug. http://www.indonesianembassy.org.uk/news2008/news_2008_11_29_papua_1.html Zur Sicherung der Fakten und weil Indonesien die Seite wieder offline nehmen könnte, haben wir Ihnen hier einen Sreenshot der Seite eingefügt: ![]() Mitte 1998 erhob sich der Volkszorn in Teilen des indonesischen Inselstaates gegen den Staatschef Suharto, dessen Diktatur mit einem Putsch gegen Sukarno 1965 begonnen hatte. Nach Habibie, Wahid, Megawati Sukarnoputri wird seit 2004 der Präsident direkt vom Volk gewählt. Erster direkt gewählter Präsident wurde der frühere General Susilo Bambang Yudhoyono. Im Jahre 2001 bewilligte Indonesien der Unruheprovinz West Papua eine spezielle Autonomie, die den politischen Vertretern zumindest theoretisch eine Art Selbstverwaltung auf dem politischen wie ökonomischen Sektor zugestand. Diese spezielle Autonomie wird jedoch bis heute von breiten Teilen der Papua Bevölkerung und ihren politischen Vertretern abgelehnt. Der nach wie vor wichtigste Grund dafür ist, dass die Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft immer noch mit Indonesiern bzw. Indonesien-Treuen besetzt sind. Diese Apartheid zwischen Indonesiern und Papuas bestimmt das gesellschaftliche Spektrum in West Papua. Politisch betrachtet kann die junge Geschichte Indonesiens in vier Phasen beschrieben werden: 1950 – 1957 die parlamentarische Demokratie (Sukarno) 1957 – 1965 die gelenkte Demokratie (Sukarno) ab 1965 die neue Ordnung (Suharto) ab 1998 die Öffnungsphase (Habibie, Wahid, Megawati, Yudhoyono) Quellen: Djopari, J., RG. 1993: Pemberontakan Organisasi Papua Merdeka. Jakarta Budiardjp, C., Liong, L., S. 1988: West Papua: The Obliteration of a People. Thornton Heath Nohlen, D., Nuscheler, F. 1994: Handbuch der Dritten Welt, Südasien und Südostasien. Bonn |