Besiedlung und kulturelle Vielfalt
Geschrieben von Administrator   
Sonntag, 30. November 2008
Negroide Menschen, aus dem melanesischen und austronesischen Raum kommend, besiedelten als erste paläolithische Jäger- und Sammlergruppen Schätzungen zufolge vor ungefähr 50.000 Jahren im Zuge der Würmeiszeit die Insel. Es spricht einiges dafür, dass während dieser Eiszeit der Meeresspiegel in dieser Erdregion etwa 130 Meter tiefer lag und die flachen Meeressenken um Neuguinea trocken lagen. Über diese Landbrücken zwischen Neuguinea, den Sundainseln bzw. Molukken erreichten die ersten Menschengruppen die Insel.

Andere schienen durchaus bereits die nautischen Fähigkeiten besessen zu haben, auch aufgrund der kurzen Distanzen zwischen den Inseln, über die See mit Booten nach Neuguinea gelangt zu sein. Eine weitere Einwanderungswelle aus der südostasiatischen Region vor etwa 8000 Jahren brachte größere, jedoch ebenfalls dunkle Menschen ins Land. Die Verwandtschaft der heutigen Ureinwohner zu ihren negroiden Vorfahren ist noch deutlich zu erkennen. Die Papua sind im allgemeinen dunkelhäutig, kraushaarig und vergleichend betrachtet weitgehend dem Afrikaner ähnlich. Obwohl sich die Anthropologen nicht ganz einig sind, ist die südwärts gerichtete Siedlungsbewegung der negroiden Altvölker wahrscheinlich auf ihre Verdrängung durch mongolide Wanderbewegungen aus dem zentralasiatischen Raum zurückzuführen.
Neben einem breitgesichtigen gedrungenen Typus (Hochlandpapua), der dem Melanesier nahesteht, gibt es auch schmale, hakennasige Menschen, die relativ groß gewachsen sind und zwischen den Flüssen Gigul und Fly leben. Zu ihnen gehören beispielsweise die Ethnien der Jabga, Jenan, Keraki und Wiram. Während im Westen der Insel eher ein negroid-asiatischer Einfluss erkennbar ist, herrscht im äußersten Süden, nahe der Torresstraße, der australische Typus vor und ist durch das „nahe“ (200 Kilometer) australische Festland schlüssig nachzuvollziehen. Zu ihnen zählen unter anderen die Volksgruppen der Kiwai und Gogodara. Auch gibt es im Hochland pygmäenhafte Menschen, die oft nicht mehr als 150 Zentimeter Körperhöhe erreichen, wie die Eipo (Mek) östlich des Baliemtals, die Goliathbergpygmäen, die Tapirobergpygmäen oder die Pesechem im Dikà-Panarà-Gebiet.
In Neuguinea kennt man 1097 Sprachen(!), die sich wiederum in viele Dialekte unterteilen. Die Sprachen der einzelnen Völker können hierbei so unterschiedlich sein wie Deutsch und Japanisch! Auf der gesamten Insel gibt es 806 verschiedene ethnische Gruppen, wovon 188 für West-Papua ausgewiesen sind und unter welchen 265 Sprachen verwendet werden. Diese Ethnien unterteilen sich wiederum in Klane, die sich noch weiter in verwandtschaftliche Kleingruppen differenzieren lassen. Während mehr als die Hälfte (58%) der verwendeten Sprachen von weniger als jeweils 1000 Menschen gesprochen werden, wird nur 1 Prozent der Sprachen von mehr als 20.000 Menschen benutzt.  Bei etwa fünf Prozent der Sprachen kennt man aufgrund fehlender Kontakte bzw. mangelnder Daten bis heute nicht einmal die dazugehörige Population. Dass diese Angaben nicht als statisch zu interpretieren sind, bedingt sich durch die Form und den Zeitpunkt jeglicher Datenerhebung, die immer mit dynamischen Prozessen, natürlichen wie unnatürlichen Ursprungs, wechselseitig konkurrieren.

Die Sprachen werden in verschiedene Hauptgruppen unterteilt, die dem Urherkunftsgebiet der Einwanderer bzw. der Siedlungsnähe zu anderen Erdregionen zugrunde liegen. Neben den weitverbreiteten Melanesischen Sprachen im Osten Neuguineas, gibt es die Ostindischen Sprachen (Süd-Halmahera) im äußersten Westteil der Insel, während im Süden die Australischen Sprachen vorherrschen. Alle übrigen Idiome werden zu den Papua-Sprachen gerechnet.
Man nimmt an, dass die weitere Besiedlung der Insel in mehreren Wellen erfolgte. Mit diesen Zuwanderern, so vermutet man, kamen auch die ersten Hausschweine auf die Insel. Vor etwa 12.000 Jahren erfolgte aufgrund massiver Überschwemmungen der Tieflandregionen die Bildung der heutigen Inselform und die Besiedlung der Gebirgszonen. Mit diesem erneuten Anstieg des Meeresspiegels wurde Neuguinea wie auch Australien von der Außenwelt abgeschnitten. Archäologen fanden indes Belege dafür, dass der Anbau von Kulturpflanzen und Be- bzw. Entwässerungssysteme im Hochland bereits vor mehr als 6000 Jahren bekannt war. Jene Hochlandethnien waren jedoch nicht immer Feld- bzw. Bodenbauern. Einst waren sie überwiegend Jäger und Sammler und zogen als Nomaden bzw. Vaganten umher. Das Fehlen größerer Tiere zwang sie offenbar dazu, sesshaft zu werden und Feld- bzw. Bodenbau zu betreiben, der ihre ursprüngliche Sammel- und Jagdorientierung aufgrund der veränderten Lebensbedingungen zurückdrängte. Sie übernahmen allmählich den melanesischen Brandrodungsfeldbau und begannen, feste Dorfgemeinschaften zu gründen. Heute leben fast 40 Prozent aller Papua in Höhenlagen zwischen 1400 und 2700 Meter.

Quellen:
Summer Institute of Linguistics: http://www.ethnolgue.com_country.asp?name=Papua+New+Guinea [10.06.2003]
APFT Pilot Report 1999:A Population Structure and Diversity. http://www.lucy.ukc.uk/Sonja/RF/Ukpr/NG04.htm [01.07.2003]
Summer Institute of Linguistics: http://www.ethnolgue.com_country.asp?name=Indonesia+%Irian+Jaya%29 [10.06.2003]